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Social Media & Handynutzung: Was Gütersloher Kinder und Jugendliche wirklich denken

vor 5 Stunden
3 Min. Lesezeit

Der Kinderschutzbund Kreisverband Gütersloh e. V. hat von April bis August 2026 Kinder und Jugendliche an Schulen in Gütersloh und Umgebung zu ihrer Handy- und Social-Media-Nutzung befragt – und zu der aktuell viel diskutierten Frage eines Social-Media-Verbots für jüngere Jugendliche. Die Auswertung liegt jetzt vor.




Mit 1.563 Antworten aus Grundschulen bis zur Oberstufe ist die Umfrage breit aufgestellt: Teilnehmende aus der 3. bis zur 13. Klasse haben mitgemacht, anonym und in durchschnittlich nur 4 Minuten. Die Ergebnisse geben einen unmittelbaren Einblick, wie Kinder und Jugendliche selbst über ihre Mediennutzung denken – jenseits dessen, was Erwachsene für sie vermuten.


Fast jede*r besitzt ein eigenes Handy

88,5 % der Befragten haben ein eigenes Handy, weitere 4,3 % nutzen zumindest ein anderes Gerät. Nur eine kleine Gruppe von 2,2 % gibt an, weder ein eigenes Handy noch Social Media zu nutzen.

Bei der täglichen Nutzungsdauer zeigt sich ein breites Bild: Die meisten (28 %) nutzen ihr Handy 2 bis 3 Stunden am Tag, gefolgt von 1–2 Stunden (24 %) und unter einer Stunde (17 %). Am anderen Ende der Skala verbringen 5 % mehr als 8 Stunden täglich am Handy.


Wofür wird das Handy genutzt?

An erster Stelle steht ganz klar der soziale Austausch: Mit Freund*innen schreiben (1.048 Nennungen) liegt deutlich vor dem Anschauen von Videos und Beiträgen (919) und dem Spielen (554). Auch Musik hören wurde besonders häufig als „Sonstiges" ergänzt.

Bei den genutzten Plattformen führt WhatsApp (981 Nennungen) vor YouTube (775), TikTok (581), Snapchat (575) und Instagram (471).

Wie fühlen sich Kinder mit – und ohne – Handy?

Ein interessantes Ergebnis: Auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 5 (sehr gut) geben die Befragten an, sich ohne Handy im Schnitt mit 3,76 zu fühlen – besser als das Gefühl am Handy, das im Schnitt bei 3,29 liegt. Ein Drittel der Teilnehmenden fühlt sich sogar richtig gut (Wert 5), wenn sie mal länger kein Handy haben.

Die große Frage: Was halten Jugendliche selbst von einem Social-Media-Verbot?

Das ist wohl das Herzstück der Umfrage – und die Antworten sind differenzierter, als man vielleicht erwarten würde:

  • 60,3 % sagen: „Kommt drauf an, wie alt man ist" – die Mehrheit befürwortet also eine altersabhängige Regelung. Wer eine konkrete Altersgrenze nannte, sprach sich am häufigsten für ab 12 Jahren (324 Nennungen) oder ab 14 Jahren (290) aus, seltener für ab 16 (127).

  • 20,7 % lehnen ein Verbot grundsätzlich ab: „Das sollte jede*r selbst entscheiden."

  • Nur 7,4 % fänden ein pauschales Verbot gut, ebenso viele sind unentschlossen.

Auf die Frage, ob es ihnen mit einem Verbot persönlich besser ginge (Skala 1–10), liegt der Durchschnitt bei 4,68 – die Meinungen gehen hier deutlich auseinander: 19 % sagen „gar nicht" (1), aber 22 % vergeben eine mittlere Zustimmung (5).

Jugendliche haben eigene Ideen für einen fairen Umgang

Besonders wertvoll: 43,2 % der Teilnehmenden haben von sich aus konkrete Vorschläge gemacht, wie ein fairer und sinnvoller Umgang mit Social Media aussehen könnte. Am häufigsten genannt wurden:

  1. Eltern einbeziehen, gemeinsame Regeln finden (90 Nennungen)

  2. Altersbeschränkungen / ein Mindestalter (71)

  3. Jugendschutz-Filter und App-Sperren (56)

  4. Zeitliche Begrenzungen der Bildschirmzeit (46)

  5. Aufklärung und Bildung an der Schule (35)

Einige Stimmen aus dem Freitext bringen es auf den Punkt:

„Social Medien vielleicht erst ab 13 freigeben." „Appsperren, Begrenzung der Zeit, die man am Handy verbringen kann, keine Nutzung abends." „Ja, man sollte freundlich sein, keine Fake News verbreiten und die Privatsphäre anderer respektieren."

Gute und schlechte Erfahrungen halten sich nicht die Waage

Die Mehrheit der Befragten (856 Nennungen) berichtet von guten Erfahrungen mit Social Media, 239 von schlechten – ein beachtlicher Teil (476) ist sich unsicher oder hat gemischte Erfahrungen gemacht.

Und was würden Kinder ohne Social Media tun?

Die Antwort ist erfreulich analog: An erster Stelle steht Freunde treffen (1.232 Nennungen), dicht gefolgt von Sport machen (1.007). Auch Lesen, Zocken, Fernsehen und kreative Hobbys wie Malen, Zeichnen oder Tanzen wurden häufig genannt.

Wer hat mitgemacht?

Die Befragten verteilen sich recht gleichmäßig über die Klassenstufen 3 bis 10, mit einem etwas geringeren Anteil aus der Oberstufe. Das Geschlechterverhältnis ist mit 49,1 % Mädchen und 44,0 % Jungen ausgewogen. Die meisten Teilnehmenden kommen aus Gütersloh selbst, gefolgt von Werther (Westf.) und Bielefeld.


Fazit

Die Umfrage zeigt: Gütersloher Kinder und Jugendliche denken keineswegs unreflektiert über ihre eigene Social-Media-Nutzung. Ein pauschales Verbot lehnt die Mehrheit ab – differenzierte, altersabhängige Regeln und gemeinsam mit Eltern erarbeitete Vereinbarungen stoßen dagegen auf breite Zustimmung. Genau hier setzt der Kinderschutzbund Kreisverband Gütersloh an: Wir wollen Kinder und Jugendliche nicht bevormunden, sondern sie in die Diskussion um einen sicheren und fairen Umgang mit digitalen Medien aktiv einbeziehen.

Vielen Dank an alle Schulen und alle Kinder und Jugendlichen, die an der Umfrage teilgenommen haben!

Die vollständige Auswertung mit allen Fragen und Diagrammen steht hier zum Download bereit.


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